Patrizia Marchese
Die Sammlerin der Trivialitäten
Es beginnt mit dem Sammeln von wie zufällig entdeckten Fundstücken und ihrer Archivierung. Dann kommt die Idee und die Umsetzung durch die Künstlerin. Plötzlich fügen sich ganz unterschiedliche Dinge neu zu einem ihnen scheinbar schon immer innewohnenden Sinnzusammenhang. Die Schaukästen und Figuren der Objektkünstlerin Patrizia Marchese vermitteln, dass nicht Perfektion das Besondere ist, sondern Einmaliges gerade aus Defektem und Ausgesondertem erwächst. Triviale Fundobjekte mit Spuren ihrer ganz eigenen Vergangenheit werden durch die Künstlerin verwandelt, so dass neue unbekannte Bilder und Geschichten entstehen. Alte Bedeutungen verändern oder verstärken sich. Der Betrachter wird unwillkürlich in die Szene einbezogen und überschreitet die Schwelle vom Beobachter zum Beteiligten. Die von der Künstlerin gewünschte Irritation bietet die Chance zur unvoreingenommenen Auseinandersetzung mit dem Arsenal menschlicher Erfahrungen und ermöglicht eine Projektionsfläche für Sehnsüchte, Ängste und Schwächen. Letztendlich bleibt alles jedoch in dem überschaubaren und relativ ungefährlichen Rahmen des Objektkastens, abgelegt wie in einer Schublade, die nach Bedarf angesehen werden kann.
Dr. Karin Gehrmann